Zukunft GalaBau

Wie arbeitet eine Führungskraft im Jahr 2015 im Galabau?
Eine zukünftige Alltagsgeschichte aus einem Landschaftsbaubetrieb

Dieser Text ist eine überarbeitete und wesentliche erweiterte Fassung meines Vortrages „Alltag von Führungskräften im Jahr 2015” vom 10. Pillnitzer Garten- und Landschaftsbautag 2006 am 10. März 2006.
Letzte Überarbeitung: 10. April 2006
Klaus Engelhardt ist Mitarbeiter des Referats Garten- und Landschaftsbau bei der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft im Fachbereich Gartenbau in Dresden-Pillnitz. Schwerpunkte sind Baubetriebswirtschaft und Baurecht in Lehre und in praxisorientierter Forschung.

Kurze Zusammenfassung: Begleiten Sie den Praktikanten Kevin einen Tag lang in das Jahr 2015 in den fiktiven Garten- und Landschaftsbaubetrieb „Sonntagsgärten“. Bei seinem Betriebstraining erfährt er etwas über den Arbeitsalltag von zwei Führungskräften dieser Firma. Unter anderem lernt er die Vielseitigkeit eines Organisationskommunikators kennen. Er hört etwas über Nachtrags- und Bedenkenscanner, über Prosumer und Simplexity. Der Umgang mit Mitarbeitern, die Auftragsakquise und die Auftragsbearbeitung werden ebenfalls angesprochen. Es stellt sich heraus, dass viele heute noch in den Kinderschuhen steckende Entwicklungen und Methoden in den Berufsalltag eingeflossen sind. Als Einführung erhalten Sie einen kurzen Überblick über Trend- und Zukunftsforschung.

Die Zukunft erfinden „Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, besteht darin, sie zu erfinden.“ Dieses Zitat stammt von John Sculley. Sculley stand lange Jahre an der Spitze des Apple Konzerns. Eine Firma, die als sehr erfolgreiche Ideenschmiede bekannt ist und immer wieder mit neuen Meta-Innovationen aufwartet. Im Moment ist es der IPod, der solch eine herausragende trendgebende Stellung einnimmt.
Die kühne Aussage Sculleys habe ich mir zu Herzen genommen und einen Blick in die nahe Zukunft unserer Branche gewagt. Es ist eine fiktive Geschichte aus der Welt des Garten- und Landschaftsbaus entstanden. Ein Arbeitstag von 2 Führungskräften im Jahr 2015 wird beschrieben. Unter anderem werden Arbeitsweisen, Technik, Führungsstil und Organisationsstrukturen angesprochen. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen, bei dem Fantasie gefragt ist. Eine Kristallkugel oder ein Orakel standen mir leider nicht zur Verfügung. Einiges mutet sicher ein wenig wie Sciencefiction an. Vorzugsweise werden Ableitungen aus der Gegenwart als Grundlage herangezogen. Viele zukünftige Entwicklungen schicken bereits jetzt ihre Zeichen voraus.

Trend- und Zukunftsforschung – der Blick in die Zukunft
Wissenschaftler und Beratungsbüros befassen sich mit der Zukunft und geben Voraussagen und Trendprognosen.Die Zukunftsforschung beschäftigt sich mit gesellschaftlichen und politischen Voraussagen; sie ist also eher als Politikberatung aufzufassen. Die Trendforschung ist Teil der Marktforschung und möchte anhand gesellschaftlicher Beobachtungen zukünftige Trends erschließen. Firmen nutzen die Prognosen. Neue Produkte und Dienstleistungen werden entsprechend den Vorhersagen entwickelt, um sie erfolgreich im zukünftigen Markt zu platzieren. Die Trendforschung wird also hauptsächlich im Bereich der Unternehmensberatung genutzt. Neben der Einzelberatung werden Ergebnisse häufig in Form von Managementliteratur veröffentlicht. In Deutschland anerkannte Trend- und Zukunftsforscher sind Matthias Horx,Peter Wippermann und Horst W. Opaschowski.Die Szenario-Technik und die Delphi-Methode sind wissenschaftliche Methoden zum Heranpirschen an die Zukunft. Sie werden in der Zukunftsforschung verwendet.
• Die Szenario-Technik entwirft unterschiedliche wahrscheinliche oder mögliche Zukunftsvorstellungen in der Regel anhand von 2 konträren Extremsituationen.
• Die Delphi-Methode ist ein mehrstufiges Expertenbefragungs- oder Schätzsystem. Die eigene und die Einschätzungen anderer werden mehrfach vorgelegt und erneut überdacht.
Trendforscher, wie z. B. das Trendbüro Hamburg, bedienen sich weiterer Methoden: Monitoring , Scanning, Semiotik, Expertenbefragung, Desk-Research.
• Monitoring bedeutet die ständige Beobachtung einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe, in der sich Veränderungen andeuten.
• Scanning ist die systematische Sichtung von Zeitschriften, Zeitungen, Internetseiten und anderer Medien. Es wird nach Abweichungen vom sog. Mainstreambereich – das was die Masse macht – gesucht. Abweichungen, die in bestimmten Gruppen zuerst auftreten, könnten sich zu Massenerscheinungen entwickeln.
• Semiotik versucht auffällige oder weniger auffällige Phänomene und Zeichen für Veränderungen ausfindig zu machen und daraus Ableitungen vorzunehmen.
• Expertenbefragung greift auf Personen zurück, die in besonderer Weise zukünftige Entwicklungen vor komplexen Hintergründen einschätzen können. Im Idealfall in Form von Delphi-Studien.
• Desk-Research bedeutet, dass man Fremdstudien, Analysen und Statistiken aus unterschiedlichsten Wissensgebieten heranzieht, um daraus zusammenfassende Ableitung zu produzieren.
Die wissenschaftliche Qualität dieser Methoden wird teilweise angezweifelt. Tatsache ist, dass die privaten Trendbüros ökonomischen Zwängen unterworfen sind und daher ihren Rechercheaufwand entsprechend anpassen müssen. Manche Ereignisse, wie die Flugbahn eines Planeten, lassen sich heute mit hoher Genauigkeit voraussagen. Wetterprognosen werden immer zuverlässiger, auch wenn der subjektive Eindruck manchmal anders ist. Umso vielschichtiger zukünftige Entwicklungen beeinflusst werden, umso mehr Störfaktoren es gibt, desto schwieriger wird die Vorhersage.

Aus der Gegenwart die Zukunft entwerfen
Beobachtet man schon heute gewissenhaft sich andeutende Entwicklungen, lassen sich bereits viele Rückschlüsse auf mögliche Veränderungen für die nahe Zukunft ableiten. Auf dieser Grundlage und inspiriert durch Aussagen von Trendforschern, Veröffentlichungen von Software- und Technikschmieden und von Zukunft zugewandten Unternehmen ist folgende Geschichte aus der nahen Zukunft entstanden. Einige Trends sind mit einbezogen, die sich in letzter Zeit in der Arbeitswelt, in der Technik und in der Politik abgezeichnet haben. Eigene Schlussfolgerungen und teilweise eigenes Wunschdenken prägen die Aussagen. Ein Schuss Fantasie und manchmal auch Humor komplettieren den eher optimistisch geprägten Inhalt. 2015 – im Grunde ist das gar nicht mehr so lange hin, neun Jahre trennen uns von diesem Datum. Ein vergleichender Blick um neun Jahre zurück, ins Jahr 1997, macht deutlich, wie viele bahnbrechende Veränderungen es seit dieser Zeit gegeben hat. Jeder kann selbst beurteilen, wie einschneidend sich diese Entwicklungen auf seine persönliche Situation ausgewirkt haben.
Eine Entwicklung, wie ich sie nachfolgend beschreibe, wäre in vielerlei Hinsicht vorstellbar; vorausgesetzt wir werden von größeren globalen oder nationalen Störfaktoren wie Pandemien, Kriegen, Wirtschaftskrisen und Naturkatastrophen verschont.
Story: Firma „Sonntagsgärten“ im Jahr 2015
Wir befinden uns im Juni des Jahres 2015 in einem GaLaBau-Unternehmen mittlerer Größe. Der Betriebssitz der Firma „Sonntagsgärten“ befindet sich nah einer Großstadt in Deutschland. Neben dem Unternehmer, Herrn Sonntag, sind zwei weitere Führungskräfte in dem Unternehmen tätig. Die beiden Führungskräfte heißen Stefan und Daniela. Beide haben vor sieben Jahren eine Fortbildung in Dresden-Pillnitz abgeschlossen. Stefan ist im Bereich Neubau für die öffentlichen und gewerblichen Aufträge zuständig. Daniela kümmert sich hauptsächlich um die Bereiche Hausgarten und Wohnumfeld und um Pflegepflegearbeiten. Beide leiten selbständig ihre Betriebsteile, die wie Profitcenter geführt werden. Die beiden Führungskräfte kooperieren sehr gut. Bei Bedarf übernehmen sie auch Arbeiten aus dem Themenbereich des anderen.
Der Unternehmer unterstützt die beiden in schwierigen Fällen und kümmert sich ansonsten um den betriebswirtschaftlichen Überbau, die Finanzen und das Marketingkonzept.
Gestern hat ein Schüler der Pillnitzer Gartenbauschule in der Firma sein dreiwöchiges Betriebstraining begonnen. Sein Name ist Kevin. Er soll die beiden Führungskräfte begleiten, um deren Arbeitsalltag kennen zu lernen. Weiterhin wird er die eine oder andere Aufgabe einer Führungskraft innerhalb des Betriebes erledigen. Den Vormittag wird er mit Stefan verbringen.

Vom Freelancer zum Profitcenterboss
Auf dem Weg zur Baustelle berichtet Stefan, dass er zunächst als selbständiger Bauleiter für mehrere GaLaBau-Firmen gearbeitet hätte. Für ein ausgehandeltes Honorar hat er die Bau- oder Projektleitung für verschiedene Unternehmen übernommen. Die Höhe des Honorars orientierte sich im Wesentlichen an der Bausumme oder wurde frei ausgehandelt. Für ARGEn und sonstige Kooperationen von mehren Firmen hat er Koordinierungs- und Leitungsaufgaben selbständig erledigt. Der Job war besonders abwechslungsreich. Das hat ihm besonders gefallen. Er war im wahrsten Sinne des Wortes sein eigener Herr und konnte dadurch seine Zeit selber einteilen. Private Bedürfnisse und Berufliches konnte er bequem miteinander verquicken, ohne sich ständig gegenüber einem Vorgesetzten rechtfertigen zu müssen. Als ersten Arbeitgeber, nach der Schulzeit in Pillnitz, hatte er einen sehr misstrauischen Chef, der am liebsten alles kontrolliert und beobachtet hat. Er traute ihm und den anderen Kollegen nicht über den Weg. „Wenn Ideen, Schöpfungskraft, soziale Kontakte und Umgänglichkeit zunehmend über den Erfolg der Arbeit entscheiden, ist nicht die körperliche Anwesenheit ausschlaggebend für den Erfolg, sondern der effektivste Lösungsweg!“ betont Stefan. Dies entspräche eher seiner Auffassung. Stefan und dieser Arbeitgeber passten nicht zusammen und so machte er sich als Bau- und Projektleiter selbständig. In dieser Zeit konnte er Unterbrechungen zwischen den Aufträgen nutzen, um sich weiterzubilden oder zu reisen. Gerade im Bereich der Weiterbildung ist es ihm gelungen, eine Fähigkeit zu entwickeln, in relativ kurzer Zeit wesentliche Wissenselemente aufzuspüren und selbständig aufzunehmen. Seine Bereitschaft, Wissen, das gerade noch nützlich erschien, wieder aufzugeben, um Neues zu lernen, hat ihm immer sehr geholfen. In seiner Pillnitzer Zeit wurden ihm die Grundlagen dieser Fertigkeit vermittelt. Neues zu erfahren und zu erschließen verbindet er nicht mit einer Pflicht, sondern dieser Prozess verschafft ihm geradezu einen Ausstoß von Glückshormonen. So was hätte er sich als Schüler überhaupt nicht vorstellen können.

Mit Power-Nab zu Höchstleistungen
Über einen seiner Projekt-Jobs ist er im Übrigen auch zur Firma Sonntagsgärten gekommen. Herr Sonntag hat dem engagierten Projektbetreuer eine Dauerstellung angeboten. Die in dem Betrieb vorhandenen, hoch motivierten und selbständigen Mitarbeiter und der einfallsreiche und umgängliche Chef haben Stefan bewogen, seine Selbständigkeit als Freelancer wieder aufzugeben. Natürlich hat er ein Erfolgsbeteiligungssystem mit dem Unternehmer vereinbart, das ihm bei seinem engagierten Einsatz einen Anteil am Gewinn sichert. Einen für ihn wichtigen Entspannungseffekt, der ihm während stressiger Phasen in der Selbständigkeit sehr geholfen hat, wurde mit in seinem Arbeitsvertrag verankert. Stefan hat sich ein Anrecht auf Power-Nap gesichert. Gemeint ist die kurzzeitige Schlafpause oder das Mittagsschläfchen. Dies trägt nach wissenschaftlichen Erkenntnissen enorm zur Leistungssteigerung bei (Anmerkung für meine Schüler: Gemeint ist nicht der Schlaf im Unterricht, zumindest nicht in meinem!). Einige seiner ehemaligen Mitschüler sind weiterhin als selbständige Bauleiter oder Projektmanager erfolgreich tätig. Einige von ihnen können sich besonders schnell in Firmen integrieren, sind sehr kreativ, besonders kommunikativ und sehr vielseitig. Dies ist ihr besonderes Erfolgsrezept. Außerdem besitzen sie gute fachliche Kenntnisse. Selbstverständlich ist ihre hohe Sozialkompetenz. Die Softskills, wie man heute auch sagt. Hierunter versteht man die Motivationsfähigkeit gegenüber Mitarbeitern und Kunden, Teamgeist und Anpassungsfähigkeit an die Ziele des jeweiligen Unternehmens. Positiv an der Selbständigkeit als Projektleiter wird gesehen, dass man immer entscheiden kann, wo, wann, für wen und was man arbeitet. Anfänglich haben die Unternehmen sehr skeptisch diesem Angeboten gegenüber gestanden und man hat es nicht leicht gehabt. Mittlerweile hat sich dieses Modell etabliert. Gute Leute unterliegen nicht einem unfairen Preisdumping und können auskömmliche Preise nehmen. Fairerweise muss man sagen, dass es viele gibt, die mit diesem Modell überhaupt nicht zurechtkommen.

Die virtuelle Vertragsbasis
Mittlerweile sind die beiden auf der Baustelle angekommen. Aus einem Bauschild geht hervor, dass eine Wohnanlage für altersgemischtes Wohnen entstehen soll. Es ist kein Neubau, sondern ein bestehender Wohnkomplex wird entkernt und umgebaut. Die neuen Außenanlagen und die Innenbegrünungen stellt die Firma Sonntag her. Firma Sonntag hat in Kooperation mit einem Landschaftsarchitekten ein pauschales Angebot über Planung und Ausführung eingereicht. Es ist gelungen, sich im Wettbewerb gegenüber 4 anderen Anbietern durchzusetzen. Den besonderen Ausschlag gaben die angemessenen Ideen und die bekannte Schlagkraft der Firma. Weiteres Kriterium für die Auftragsvergabe an die Firma ist deren guter Ruf, der sich besonders auf folgende Gesichtspunkte gründet:
• Qualität bis ins kleinste Detail
• außergewöhnliche Zuverlässigkeit
• große Individualität
• unbedingte Termintreue
• exzellente Kundenbetreuung Aus Sicht der Investorengemeinschaft stimmte natürlich auch der Preis. Letztendlich überzeugte man durch die spektakuläre 3D-Simulation, die ein naturgetreues Abbild der zukünftigen Außenanlage präsentierte. Die begeisterten Kunden erlebten einen perfekten dreidimensionalen Rundgang im Showroom des Landschaftsarchitekten. Es fehlte nur noch der Pflanzenduft. Hervorzuheben ist, dass diese virtuelle Planungswelt eine wesentliche Vertragsgrundlage des Bauvertrages darstellt. Ein detailliertes Leistungsprogramm (siehe § 9 Nr. 10 VOB/A) ist ergänzend als Vertragsbestandteil angefertigt worden. Hier werden Sachverhalte geklärt, die aus der virtuellen Vorlage nicht eindeutig hervorgehen. Die verwendeten Bauteile, Ausstattungen, Modellierungen und Ausführungsdetails sind kaum vom zukünftigen Original zu unterscheiden. Pflanzen werden in Größen und Arten dargestellt, die dem Abnahmezustand entsprechen. Im Wesentlichen muss die fertige Anlage den Vorgaben der virtuellen Vorlage entsprechen.

Wertsteigerung und Folgekosten
Zur besseren Veranschaulichung wird dem Kunden die Anlage ebenfalls so gezeigt, wie sie möglicherweise in 5 bzw. 10 Jahren aussehen wird. Auf Wunsch in einem Zustand, der fachgerechte intensive Betreuung und Pflege voraussetzt. Die Variante mit nur geringem oder unqualifiziertem Pflegeeinsatz wird ebenfalls zur Abschreckung eingeblendet. Deutlich ist hierbei die Wertsteigerung des gesamten Objekts bei der Variante mit fachgerechter Pflege erkennbar. Entsprechende Folgekostenaufstellungen werden selbstverständlich je nach vereinbartem Pflegeaufwand mit angeboten. Bei der vernachlässigten Variante werden Kosten einer generellen Überholung mit umfangreichen Neupflanzungen nach fünf Jahren hinzugerechnet.

Aufmaß und Abrechnung geht fix
Für die Ausführungsarbeiten wurden ein Grundrissplan und verschiedene Detailpläne erstellt. Wesentliche Messpunkte werden mit einer an die Planungssoftware gekoppelten Totalstation (elektronisches Tachymeter) mit Laserpointern auf Höhenpflöcke im Gelände übertragen. Es werden nur so viele Pflöcke vorab gesetzt, wie unbedingt nötig sind. Jederzeit lässt sich das Messgerät mit wenigen Handgriffen wieder aufstellen, um weitere Messpunkte anzubringen. Das auf einem Wechseldatenträger gespeichert Projektprogramm sorgt dafür, dass notwendige Teilmaße schnell ergänzt oder verloren gegangene Markierungen erneuert werden können. Umgekehrt wird diese Technik auch eingesetzt, wenn ein detailliertes Aufmaß nach Fertigstellung der Baumaßnahme gefragt ist. Die Programme kapitulieren auch nicht, wenn der Auftraggeber umfangreiche nachprüfbare Massennachweise verlangt. Abschlagsoder Schlussrechnungen erstellt das Programm in kürzester Zeit. Nachträge für zusätzliche Arbeiten oder für erforderliche Änderungen werden, wenn sie zuvor erfasst wurden, mit einbezogen. Wird die Erfassung nicht gewissenhaft durchgeführt, tauchen Sie nicht in der Abrechnung auf. Hier kommt es nach wie vor auf die Erfahrung und die gewissenhafte Zuarbeit des Bauleiters und der Vorarbeiter an.

Mit dem „OK“ ist alles OK
Auf der Baustelle arbeiten zurzeit vier Arbeitskräfte und ein Baustellenleiter. Der Baustellenleiter kommt sofort auf die Beiden zu, grüßt freundlich und stellt sich dem Praktikanten Kevin vor. Anschließend berichtet er in kurzen Sätzen über die wesentlichen Vorfälle auf der Baustelle. Hierbei schaut er immer wieder auf einen Bildschirm eines etwa taschenbuchgroßen elektronischen Geräts. Daniel möchte gerne wissen, welche Aufgabe dieses Gerät hat. Der Baustellenleiter fängt er an zu schwärmen: „Dies ist unser wichtigstes Organisations- und Kommunikationswerkzeug. Es ist ein Organisationskommunikator – bei uns nur kurz „OK“ genannt. Eine Baustellenabwicklung ohne „OK“ kann ich mir gar nicht mehr vorstellen.“ Alles was früher aufgeschrieben worden ist, in unterschiedlichen Berichten und Büchern, übernimmt jetzt dieses Gerät. Die Eingabe erfolgt in der Regel über die Stimme und über ein Menü. Die Vorläufer dieser Geräte kamen vor etwa zehn Jahren auf den Markt als Zwitter zwischen Handy und Laptop. Man nannte sie UMPC – „Ultra Mobile Personal Computer“. „Die kleineren PDAs (Personal Digital Assistent ) von damals waren für uns auf der Baustelle einfach zu filigran und man konnte kaum was auf ihnen erkennen. Die Eingabe per Stift war auch nicht das Wahre. Erst die Geräte mit den größeren Bildschirmen, UMPC hießen die, wurden auf der Baustelle akzeptiert. Als dann noch die Stimmeingabe kam, war die Sache perfekt“, kommentierte der Baustellenleiter. Selbstverständlich besitzt der „OK“ einen Touchscreen , über den durch Druck auf den Bildschirm Befehle eingegeben werden können. Probleme gibt es noch manchmal, wenn bestimmter Baulärm entsteht. In dem Fall greift der Baustellenleiter zum Earset, die Kopfhörer-Mikrofon-Kombination. Anschließend ist die ungestörte Eingabe möglich.

Flüsternde Maschinen machen sich nicht mehr schmutzig
Generell sind die Lärmquellen nicht mehr die Maschinen. Die Bautätigkeiten, die ausgeführt werden, verursachen den meisten Lärm. Maschinen sind mittlerweile die reinsten Flüsterer und die Abgas-und Rußentwicklung ist kaum noch merkbar. Der Treibstoffverbrauch wurde erheblich reduziert. Werden Maschinen nicht unter Last in Anspruch genommen, schalten sie sich nach einer vorher programmierten Zeiteinheit selbständig ab. Wird wieder Gas gegeben, springt der Motor wieder an. Alte Baumaschinen, deren Energieverbrauch und Abgasentwicklung bestimmte Werte nicht erfüllten, wurden mit hohen Umweltsteuern belegt. Umweltfreundliche Maschinen sind steuerfrei. Werden Wartungsintervalle nicht befolgt, lassen sich die Maschinen nicht mehr benutzen oder starten. Dies gilt besonders für Bereiche, die bei Fehlern den Austritt von Ölen und Treibstoff verursachen würden. Der Treibstoff wird zum größten Teil aus Biomasse erzeugt. Diese Treibstoffe sind relativ preiswert und belasten kaum die Umwelt. Die Motoren könnte man als eine Mischung aus Otto- und Dieselmotoren –„Diesotto-Motoren“ bezeichnen. Die CO2-Bilanz ist ausgeglichen. Wie wir als Gärtner wissen, wird bei der Fotosynthese CO2 aus der Luft aufgenommen und im organischen Material gebunden. Bei der Verbrennung wird die gleiche Menge CO2 wieder freigegeben. Alle kompostierbaren Abfälle aus Biomasse des Betriebes werden bei einer Sammelstelle abgeliefert. Früher musste man hier noch Entsorgungsgebühren bezahlen, heute erhält man Tankgutscheine für den Bio-Sprit.Betriebsstunden, Treibstoffverbrauch und Wartungsleistungen werden auf einem Funketikett, dem Transponder (RFID-Technologie – Radio Frequency Identification), registriert und über das „OK“ zum Betriebsserver gesendet und dort zur Auswertung abgespeichert. Die Funketiketten tragen auch die Mitarbeiter zur Leistungs- und Arbeitszeitfeststellung an der Betriebskleidung. Ohne die Einwilligung der Mitarbeiter ist dieser Einsatz nicht möglich, da der Gesetzgeber entsprechende Regeln zum Schutz persönlicher Daten erlassen hat. Bei Firma Sonntag hat es keine Beschwerden gegeben, alle Mitarbeiter machen mit. Stefan besitzt natürlich ebenfalls einen „OK“. Er lobt ebenfalls diesen Wunderapparat in höchsten Tönen: „Der „OK“ übernimmt eine Vielzahl von Aufgaben. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie es früher ohne den „OK“ zuging.“ Neben der Datenerfassung liefert das Gerät alle möglichen Informationen zum momentanen Bauvorhaben. Es stellt Verbindungen zu den Terminals der Lieferanten, Subunternehmern und Entsorgern bzw. zu den dort zuständigen Sachbearbeitern her. Angefragte Lieferungen werden am Bildschirm bestätigt. Störungen werden mitgeteilt. Anliefernde Spediteure können Verzögerungen direkt melden. Lieferscheine werden drahtlos übertragen. Eingebaute Veränderungssperren vereiteln Manipulationen an Wiegekarten und Lieferscheinen. Eine drahtlose Verbindung zum Betriebsserver verhindert bei Verlust oder Zerstörung des „OK“, dass die aktuell eingegebenen Daten verloren gehen. Das Gerät ist so robust, dass man sogar mit dem Radlader darüber fahren kann. Natürlich lassen sich mit dem Gerät auch Telefonate führen, Mails versenden und Informationen aus dem Internet oder dem Firmennet abrufen. Stefan begleitet den Baustellenleiter noch auf einem kurzen Rundgang über die Baustelle und nimmt die aktuellen Bauabschnitte kritisch in Augenschein. Er stellt einige Detailfragen zu den Arbeiten und zum weiteren Vorgehen in den nächsten Tagen. Kevin geht kurz zu den übrigen Arbeitnehmern und stellte sich vor. Alle sehen gepflegt aus und reagieren freundlich. Es fällt ihm auf, dass sowohl ihre Arbeitsanzüge als auch ihre Werkzeuge aussehen, als wären sie neu. Er hat nicht den Eindruck, dass sie nicht intensiv genutzt werden. Arbeitswerkzeuge und der Radlader, der Bagger und die Rüttelplatten sehen aus wie geleckt? Eine junge Frau, der Lehrling wie er später erfährt, hat ebenfalls ein „OK“ in der Hand und sucht etwas auf dem Display. Neben ihr brummt die Rüttelplatte. Wieder im Firmenwagen, auf dem Rückweg ins Büro, stellt Kevin noch einige Fragen zu seinen Beobachtungen. Stefan gibt ihm folgende Erklärungen: „Die Kleidung, die Werkzeuge und die Maschinen wirken so sauber, da deren Oberflächen veredelt wurden. Wir verdanken dies der Nanotechnologie .“ Nanotechnologie beschäftigt sich mit der Erforschung, Bearbeitung, Produktion von Gegenständen und Strukturen, die kleiner sind als 100 Nanometer (nm). Ein Nanometer misst ein milliardstel Meter (10-9m). Mit der Nanotechnologie sind viele Entwicklungen zur Verbesserung von Oberflächen im Bereich von Textilien und Werkzeugen erfolgt. So hat sie die schmutzabweisenden Oberflächen von Werkzeugen und Kleidungsstücken hervorgebracht. Viel Mühe hätte es gekostet, die Mitarbeiter davon zu überzeugen, dass man stets freundlich sein muss; insbesondere zu Personen, die man auf der Baustelle trifft, erläutert Stefan. Verwundert ist Kevin darüber, dass der Baustellenleiter so wenig Probleme mit Stefan zu besprechen hatte. Ob der ständig mit seinem „OK“ anrufen würde, um um Hilfe bei Stefan nachzusuchen, will er wissen. „Das hat es in der Anfangsphase schon gegeben“, bestätigt Stefan. „Die Baustellenleiter haben keine Entscheidungen mehr getroffen. Ständig haben die sich rückversichert. Als Bauleiter bist du gar nicht mehr zum Arbeiten gekommen. Wir haben darüber gesprochen und eine Punkteregelung eingeführt.“ Alle Anrufe wurden in einer Punktekartei registriert und bewertet. Belanglosigkeiten, Selbstverständlichkeiten, Vergesslichkeiten usw. verursachten hohe negativ Wertung auf dem Punktekonto der Baustellenleiter und führten zu Abzügen bei Prämien und Verdienst. Außerdem wurden klärende Gespräche geführt. Den Mitarbeitern wurde deutlich gemacht, dass es sehr wichtig ist, Entscheidungen in einer angemessenen Zeit zu treffen. Auch wenn man sich nicht nach allen Seiten rückversichern kann, müssen in bestimmten Situationen Entscheidungen getroffen werden, damit es weiter geht.

Der Wissenbanker
Mit dem „OK“ hat man außerdem Zugang zu einer speziellen GaLaBau-Wissensdatenbank. Zunächst wird eine Frage oder ein Stichwort eingegeben oder ausgewählt. In kürzester Zeit werden dann Antworten und Lösungen für fast alles, was im Garten- und Landschaftsbau anfällt, angezeigt. „Willst du wissen, wie man einen bestimmten Obstbaum in einem gewissen Alter und Pflegezustand am besten schneiden muss; erhältst du entsprechende Lösungen. Willst du erfahren, wie man eine Dehnungsfuge in einer freistehenden Sandsteinmauer korrekt auszuführen hat, erhältst du entsprechende Lösungen und bei Bedarf direkt eine Verbindung zu den betreffenden Lieferanten, Herstellern der Materialien. Verbindungen zu möglichen Subunternehmern können auch gleich hergestellt werden“, schwärmt Stefan. Diese Datenbank wurde in Kooperation mit anderen Unternehmen und Bildungseinrichtungen erstellt und wird ständig gepflegt. Es fallen auch Nutzungsgebühren an, zumindest in der werbefreien Version. Lizenzen für die aktuellen Normen und andere kostenpflichtige Quellen wie Beratungsdienste und Forschungseinrichtungen müssen von den Machern der Datenbank bezahlt werden. Die Höhe der Gebühr richtet sich danach, wie häufig und wie intensiv auf die Informationen zurückgegriffen wird. Es ist auch möglich, eine Flatrate (engl. Pauschalpreis) mit unbegrenzter Nutzung zu vereinbaren. „Der große Vorteil ist die Vorauswahl und leichte Bedienbarkeit. Alles ist abgestimmt auf unsere Bedürfnisse. Allgemeine Suchmaschinen sind zu wenig in der Lage, wirklich schnell, möglichst passende Informationen zur Verfügung zu stellen. Außerdem wird man ständig von sinnlosen nervigen Werbeeinträgen attackiert. Trotz ausgeklügelter Blockersysteme gelingt es manchen Firmen immer wieder, neue Tricks zu erfinden, um trotzdem auf dem Bildschirm zu erscheinen. In der internen Datenbank wird man kaum mit Werbung belästigt. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie mühselig es früher war, an bestimmte Informationen heranzukommen. Diese schnelle Informationsquelle ist auf jeden Fall ihr Geld wert.“ Seit dieses System genutzt wird, haben die Telefonante und Hilferufe stark abgenommen und das Punktesystem wurde wieder abgeschafft. Die Lehrlinge haben ebenfalls Zugriff auf dieses System. Es leiste gute Dienste zur Erledigung ihrer Arbeitsaufgaben.

Fehlentscheidungsblocker hilft bei Baustellenplanung
Stefan berichtet noch von einem anderen Thema, das ihm besonders am Herzen liegt. „Die größten Reserven bei der Baustellenproduktivität liegen darin, Fehler und doppelte oder sogar dreifache Arbeit an einer Bauaufgabe zu vermeiden.“ Es wurde in der Firma ein „Doppeltmacher-Stopper-Konzept“ entwickelt. Fehlentscheidungsblocker wurden eingebaut. „Alles was in dieser Hinsicht unternommen wird, ist besteingesetzte Energie“, so Stefan. „Zunächst gehören hierzu natürlich Arbeits- und Führungskräfte, die dies erkennen und selber alles unternehmen wollen, die Produktivität killenden Aspekte zu vermeiden. Es bedarf einer sorgfältigen Einschätzung der Fähigkeiten der Mitarbeiter. Schwächen müssen kompensiert werden durch bessere Informationen, Absprachen und Austausch von Erfahrungen“, dozierte Stefan und führte weiter aus, dass besonders viel Wert auf die exakte Vorplanung bzw. auf das genaue Durchdenken der Arbeiten gelegt werden muss. Dies sollte nicht im Alleingang passieren. Baustellenleiter, Bauleiter und Subunternehmer müssen gemeinsam die Vorplanung durchführen. Stefan würde nicht ungehalten reagieren, wenn auf der Baustelle vor dem Start der jeweiligen Arbeitsabschnitte, zunächst eine gewisse Überlegungsauszeit genommen würde. Durchaus können noch mal Informationen über die Arbeitsaufgabe aus dem LV und aus dem Bauinformationsnetz mittels des „OK“ abrufen werden.

Direkter Draht zu den Lieferanten
Bestellungen der Materialien werden über den „OK“ abgewickelt. Die Lieferanten registrieren diese Meldungen und benötigtes Material wird so schnell wie möglich oder nach klaren Vorgaben durch den Baustellenleiter in geeigneten Fahrzeugen geliefert. Die Materialsteuerung läuft über Funketiketten an den Materialverpackungen oder Paletten (RFID-Technologie). Aufgezeichnete Daten werden ebenfalls zur Auswertung des Baustellenerfolgs an den Betriebsserver gesendet. Die Grundmerkmale dieser Technik wurden bereits bei der Erfassung der Maschinen- und Mitarbeiterleistung beschrieben. Eigenlieferungen durch Fahrzeuge des GaLaBauers finden so gut wie nie statt. Selbst Kleinmengen werden von den Lieferanten zu den Baustellen gebracht. Hier haben sich die Baustoffhändler vom Pizzaservice etwas abgeschaut. Lagerhaltung im Betrieb wird nicht betrieben. Aus den Angeboten werden exakte Materialbestelllisten von der Software herausgefiltert. Die Baustoffe werden bezogen auf die jeweiligen Bauabschnitte als Komplettpakete zeitnah ausgeliefert. Viele Baustofflieferanten haben sich auf diesen Komplettservice eingestellt, sind sehr kooperativ und geben bei Problemen bereitwillig Hilfestellung. Bei vielen gängigen Bauteilen werden, nach dem Vorbild des Fertighausbaus, größere Einheiten – Bauteilgruppen – nach individuellen Wünschen werksgefertigt, die auf der Baustelle mit Schwerlastkränen mit Vakuumhebern eingesetzt werden. Beispiele hierfür sind: Garageneinfahrten aus Naturstein als Großelement, werksgefüllte Gabionenelemente, Naturstein- und Betonsteinmauerabschnitte. Komplette flächige Pflanzstreifen und Staudenfloren zum Ausrollen und auch ausgewachsene Hecken und großflächige Wandbegrünungen einschließlich Rankelement gibt es als Fertigelemente. Baumschulen und Staudengärtnereinen bieten zunehmend Themenpakete an und stellen diese Sortimente, die Pflanzenverwendungsfachleute konzipiert haben, komplett zur Verfügung. Es werden Grundvorgaben hinsichtlich des Bodens, des Klimas, der Vorlieben und Wünsche der Nutzer, des Pflegeanspruchs und der Größe gemacht und daraus eine Pflanzenauswahl mit Bepflanzungsvorschlag vorgelegt. Die Pflanzen werden komplett mit Pflanzschema ausgeliefert.

Stefans Büroleben
Wieder am Firmensitz angekommen, laufen Stefan und der Praktikanten an vielseitig gestalteten Schaugärten vorbei zum Bürogebäude der Firma Sonntagsgärten. Stefans Büroraum liegt in der ersten Etage. Beim Betreten fällt zunächst auf, dass in dem Raum keine Akten und keine Papierstapel liegen. Es sind einige Flachbildschirme unterschiedlicher Größe, ein Tisch und mehrere Stühle im Raum vorhanden. Ein größerer Flachbildschirm, an der Wand gegenüber Stefans Arbeitsplatz, schaltet sich beim Betreten des Büros automatisch ein. Life-Bilder von laufenden Projekten der Firma und verschiedene Abbildungen von Personen mit Namen und Funktion erscheinen. Manchmal erscheinen Pflanzenmotive und Detailausschnitte mit eingeblendeten botanischen und deutschen Namen. Viele der Pflanzen sind Kevin unbekannt. Er würde sie eher im mediterranen Klima oder sogar zu noch wärmeren Regionen zuordnen. Stefan erklärt, dass er sich gerade mit diesen Pflanzen beschäftigt, die auf dem Wandbildschirm abwechselnd auftauchen. Er soll demnächst einen Auftrag ausführen, bei dem diese Pflanzen eine wichtige Rolle spielen. Er würde sie noch nicht so gut kennen und auf diese Weise möchte er sie sich nebenbei einprägen. Genauso würde es sich mit den abgebildeten Menschen verhalten, sie stellen Kunden und Personen dar, mit denen er es im Geschäftsalltag zu tun hat. Die Life-Bilder von den Baustellen verschaffen ihm einen Einblick in das momentane Baugeschehen. Er würde so immer mitbekommen, wie sich seine Leute vor Ort verhalten und wie der Bau voranschreitet. Natürlich hat er dies nur einführen können, nachdem er sich von seinen Mitarbeitern und dem jeweiligen Bauherrn das Einverständnis geholt hat. Im Übrigen habe er gar nicht so viel Zeit, seine Leute ständig zu beobachten und vertraue darauf, dass diese gut und gewissenhaft arbeiten. Stefan fügt sein „OK“ in eine Vorrichtung und sofort erscheint auf einem Flachbildschirm an seinem Arbeitsplatz ein Begrüßungsbild. Er wird aufgefordert, sich über seinen Zeigefingerabdruck einzulocken. Stefan legt eine Art Earset an und Kevin soll es ihm gleichtun. Eine Tastatur ist nicht zu sehen. Die gäbe es auch noch, die würde nur selten gebraucht. Die Eingabe erfolgt mit der Stimme oder über ein Bedienpult, das wie ein Bedienelement einer Spielkonsole aussieht. Ein Datenabgleich zwischen „OK“ und Server muss nicht erfolgen, dieser wird ja ohnehin per Funksignal automatisch alle 30 Minuten oder bei Bedarf nach Eingabe von neuen Informationen herbeigeführt.

Präqualifikation und Plausibilitätsprogramme sichern Vergabe
Ein Zugriff auf die Serverdaten sei vom „OK“ von außerhalb jederzeit möglich. Stefan wechselt vom Terminplaner, der zunächst auf dem Bildschirm erschienen ist, zu einer Liste mit Aufgaben, die durch unterschiedliche Farben auffallen. Als dringlichste Aufgabe in leuchtend roten Buchstaben wird die Erstellung von einem Angebot für ein öffentliches Bauvorhaben angezeigt. Gleichzeitig wird der Grad der Bearbeitung aufgezeigt. Dieser Vorgang ist zu 95 % erledigt. Was noch fehlt, wird aufgelistet. Stefan ist optimistisch, dass es ihm gelingt, dieses Angebot in einen Auftrag umzuwandeln. Als besonders präqualifizierter Betrieb für die dort ausgeschriebenen Arbeiten stehen seine Chancen sehr gut. Zu dem Bauvorhaben wurden von ihm außerdem zahlreiche Nebenangebote angefertigt, die sowohl technisch als auch preislich einen Wettbewerbserfolg fast schon garantieren. Ausschreibungen über Dumpingpreise zu gewinnen ist kaum mehr möglich, da Plausibilitätsprogramme unter anderem die komplett einzureichende detaillierte Urkalkulation überprüfen. Ungereimtheiten werden so gnadenlos aufgedeckt und eine unseriöse Preisbildung führt zum Ausschluss des eingereichten Angebots. Unvollständige Kalkulationen und fehlende Zertifikate, die die Qualität der vom Bieter vorgeschlagenen Materialien absichern, werden nicht akzeptiert. Der Austausch der Angebotsunterlagen zwischen Bieter und Bauherrn läuft papierfrei. Die Software der Firma Sonntagsgärten greift bei der Kalkulation auf vorhandene Datenbankwerte zurück. Preise werden vom Programm vorgeschlagen. Meist passen Angebotstexte und die eigenen Texte überein. Ist dies nicht der Fall muss der Kalkulator bei der Preisermittlung Unterschiede anpassen. In jedem Fall werden immer individuelle Abgleichungen in Bezug auf die jeweiligen Baustellen- und auf die momentanen Betriebsbedingungen gemacht. Insbesondere im Bereich der Nebenangebote, die von den Auftraggebern in der Regel erwartet werden, ist eine Menge Spielraum vorhanden, das Know-how der Firma oder ihrer Kooperationspartner einzubringen. Alle Unterlagen werden in der Regel nicht mehr auf dem Postweg versendet. Persönliche Signaturen laufen über Chipkarten oder durch Fingerkennung. Sichere Verschlüsselungssysteme sind gang und gäbe. Ein fairer Wettbewerb wird von öffentlichen Auftraggebern weiterhin angestrebt. Gewissenhafte Prüfungen und eindeutige Vorgagen sichern diesen hohen Anspruch.

Wettbewerbsrecht gilt und wird streng überwacht
Öffentliche Vergaben werden über Bekanntmachungen in Vergabeplattformen veröffentlicht. Diese Informationen sind jedem Bieter unentgeltlich zugänglich. Bestimmte Suchdienste filtern nach entsprechenden Vorgaben geeignete Ausschreibungen aus. Die Vergabeunterlagen lassen sich komplett downloaden und in die eigene Software zur Bearbeitung einfügen. Hierzu ist noch ein Passwort nötig, das man mit der Präqualifizierung für bestimmte Teilbereiche erhält. Sind Pläne vorhanden, kann man auf diese elektronisch zugreifen. Bei einigen Bauvorhaben werden umfangreiche aktuelle Baustellenbilder/-videos zur Verfügung gestellt. Submissionen können zwar noch von den Bietern besucht werden, dies wird nur selten genutzt. Ergebnisse werden unmittelbar nach dem Termin den Bietern elektronisch und verschlüsselt übermittelt. Individuelle Entschlüsselungssoftware wird mit dem Präqualifizierungsverfahren zugeteilt. Die Ergebnisse der weiteren intensiveren Prüfung und die Vergabeentscheidung werden den Bietern ebenfalls auf dem gleichen Wege zügig zugestellt.

Private verlangen Planung und Ausführung aus einer Hand
Die Vergabepraxis im privaten Bereich bedient sich immer seltener des von den Behörden noch vertretenen Vergabesystems. Hier werden meist Planung und Ausführung zusammen angeboten. Planer und Ausführende treten als Kooperationen auf. Bauherrn lassen die Baumaßnahmen meist von unabhängigen Projektbetreuern technisch und finanziell überwachen. Bei der Auswahl der geeigneten Unternehmen werden die Projektbetreuer verpflichtet. Häufig werden Planungswettbewerbe veranstaltet, um bei der Ideenfindung möglichst viele Anregungen zu bekommen. Hier treten zunehmend Planende und Ausführende zusammen auf.

Sachverständige begleiten Herstellungsprozess
Eine besondere Bedeutung kommt in allen Fällen der Abnahme zu. Neben den Projektbetreuern werden neutrale Sachverständige aus Abnahmekanzleien mit eingesetzt. Teilweise sind sie schon während der Vergabe und der Bauphase mit Überwachungsaufgaben dabei. Ausgestattet mit äußerst effizient und schnell arbeitenden Messgeräten werden Tragfähigkeitswerte, Schichthöhen, Materialgüte, Maßabweichungen ermittelt. Verdeckte Baumängel werden gnadenlos ans Tageslicht gefördert. Fehler beim Pflanzen, wie mangelnder Bodenschluss, stehendes Wasser, ungeeigneter Boden mit Nährstoffproblemen, Verdichtungen und Wildkrauteinträge entgehen den Prüfern nicht. Auf Grund dieser harten Prüfverfahren sind zunehmend Firmen, die über Pfuscharbeit ihren niedrig kalkulierten Preis durchsetzen wollten, gescheitert und vom Markt verschwunden. Bringen Auftraggeber „selbst gebastelte“ Vertragsbedingungen mit ein bzw. diktieren sie die Vertragsbedingungen, bewährt sich der „Vertragsbedingungen Scanner“. Bei diesen Allgemeinen Geschäftsbedingungen werden Vertragsklauseln, die zu einseitig den Verwender der Vertragsbedingungen bevorzugen, herausgefiltert. Für den Empfänger, meist ist es der Auftragnehmer, wird transparent, ob die jeweilige Klausel vor den Bestimmungen zu den Allgemeinen Geschäftsbedingungen des §§BGB ( 305 – 310) Bestand haben. Sollten sie als nicht akzeptable Klausel erkannt werden, ist der Auftraggeber nicht in der Lage, sie gegen den Widerstand des Auftragnehmers durchzusetzen. Interessiert wäre man an einem Verfahren, das vor allem bei öffentlichen Bauvorhaben effektiv wäre. Es soll einen „Nachtrags- und Bedenkenscanner“ als Neuentwicklung geben. In Teilbereichen des Hoch- und Tiefbaus, bei detaillierten Ausschreibungen für Einheitspreisverträge, würde dies im Rahmen des Claim-Managements schon eingesetzt. Bei Pauschalverträgen auf der Basis von Funktionalausschreibungen soll hier ein „Risikobarometer“ den Grand der Unklarheiten und die Risiken mit anzeigen. Im Bereich des Landschaftsbaus soll sich die Entwicklung leider noch in den Kinderschuhen befinden. Zunehmend würden jetzt die Auftraggeber diese Techniken einsetzten, um Ausschreibungsunterlagen von vornherein nachtragssicher zu machen.

Stefan geht zur BERFA-Gruppe
Kevin würde gerne noch weiter den Ausführungen von Stefan lauschen. Dieser muss zu einem für ihn sehr wichtigen Termin. Er kann Kevin leider nicht mitnehmen, da die Veranstaltung erst spät abends zu Ende sein wird. Außerdem sind Besucher dort nur mit Genehmigung der anderen Teilnehmer erwünscht. Hinter dieser geheimnisvollen Sache verbirgt sich nicht etwa ein Treffen der Freimaurer, sondern ein Treffen von Stefans Betriebsteilleiter-ERFA-Gruppe. Die BERFA-Gruppe setzt sich im Wesentlichen aus Personen zusammensetzt, die in ähnlicher Stellung wie Stefan in Garten- und Landschaftsbaubetrieben arbeiten. Die Gruppe hat auch Mitglieder aus ähnlich strukturierten Betrieben aus dem Bauhandwerk. Mitarbeiter aus Forschungs-und Bildungseinrichtungen machen auch mit. Alle kommen sich normalerweise nicht geschäftlich bei Aufträgen in die Quere. Gewollt ist eine Zusammenarbeit oder Kooperation in vielen unterschiedlichen Bereichen. Man bespricht Themen und Problemfälle und diskutiert Lösungsansätze. Vorbild für diese Arbeitsgruppe sind ERFA- Gruppen oder Netzwerke, die sie sich Mitte des letzten Jahrzehnts zahlreich gebildet haben. Man hatte unter den GaLaBauern gemerkt, dass man mehr zusammenrücken musste, um erfolgreich zu sein, und dass die Eigenbrötelei schnell in eine Sackgasse führt. In der BERFA-Gruppe haben sich alle Teilnehmer verpflichtet, über eine Wissensplattform im ständigen Austausch zu stehen. Man will sich ständig mit neuen Erkenntnissen und Wissen versorgen und dies möglichst in einer ansprechenden Form. Alle Beteiligten erstellen in speziellen Wissensbereichen Beiträge und versorgen die Anderen mit diesen Informationen. Hierbei werden E-Learning-Komponenten genauso eingesetzt wie traditionelle Elementen der Wissensvermittlung. Eine ganz wichtige Stellung nimmt nach wie vor der persönliche Erfahrungsaustausch ein. Dies passiert auf den regelmäßigen Treffen, bei Onlinetreffen – Videokonferenzen – oder über die Chatseiten oder über das Diskussionsforum der Gruppe. Außerdem finden Synchronkonferenzen am Bildschirm statt. Alle Teilnehmer sind in Bild und Ton zugeschaltet (Teleteaching). Häufig werden auch externe Trainer oder Coachs eingeladen, die über abgestimmte Themen referieren und mit den Teilnehmern diskutieren. Eine weitere wichtige Aufgabe der BERFA-Gruppe besteht darin, eine auf die Gruppeninteressen abgestimmte Wissensdatenbank weiter zu entwickeln und zu pflegen. Kevin findet es sehr beeindruckend, dass sich Fachleute wie Stefan so aktiv um Kontakte Gleichgesinnter und um Weiterbildung bemühen. „Ihr habt Euch ja dort etwas eingerichtet, dass mich stark an das erinnert, was wir auf der Fachschule machen“, stellt er verblüfft fest.

Daniela hat keine Angst vor fremden Ländern
Plötzlich erklingt eine Melodie und Daniela, die andere Profitcenterleiterin, taucht auf dem Bildschirm auf. Sie fragt an, ob Kevin nicht Lust habe, sie zu einem interessanten Kunden zu begleiten. Der Kunde möchte sich einen Hausgarten umgestalten lassen. Kevin ist interessiert und schon sitzen sie im Firmenwagen von Daniela. Zunächst berichtet Daniela von ihrem bisherigen beruflichen Werdegang. Bevor sie bei der Firma Sonntag angefangen hat, ist sie, wie man so sagt, weit rumgekommen. Nachdem sie in Pillnitz die Meisterprüfung bestanden hatte, ging sie für ein Jahr nach England und arbeitete dort in einer Baumschule mit Eventverkauf. Es wurde alles angeboten, was mit dem Leben im und um den Garten zu tun hat. “Gartenlifestyle – ein Lebensstil geprägt durch den Garten, war” hier das Marketingkonzept. Zunächst war sie dort in der Pflanzenproduktion. Hier erweiterte sie ihre Gehölz- und Staudenkenntnisse. Später, mit zunehmenden Englischfertigkeiten, wechselte sie in den Verkauf und in die Neubau- und Pflegeabteilung. Anfängliche Sprachschwierigkeiten, besonders bei Fachausdrücken, hat sie schnell überwunden. Sie interessierte sich immer schon für die englische Sprache. Auf ihren zahlreichen Reisen ins Ausland war die englische Sprache immer der Schlüssel zu den Menschen und zu der Kultur gewesen. Bereits in der Berufschule, die sie während ihrer Lehre zum „GaLaBauer“ besucht hat, wurde zusätzlich Englisch unterrichtet. Auch die Meisterausbildung hat noch einen Fachenglischkurs mit beinhaltet. In England wurde ein Unternehmer auf sie aufmerksam, der in Polen und Tschechien größere Aufträge im Hausgartenbereich durchführen wollte. Sie erhielt ein Angebot, dort einige Projekte fachlich zu begleiten. Zunächst kamen ihr Bedenken, da sie weder Polnisch noch Tschechisch sprechen konnte. Der Unternehmer versicherte ihr, dass es ausreichen würde, gute Englischkenntnisse zu besitzen. In beiden Ländern würden mittlerweile die meisten Menschen ebenfalls gut Englisch sprechen. Es hätte ein großzügiges EU-Förderungsprogramm für Englisch/Französisch gegeben und viele hätten große Anstrengungen unternommen, sich in Englisch weiterzubilden. Die wirtschaftliche Entwicklung, mit der immer zunehmenden Globalisierung der Märkte, schaffte zusätzlich Motivation. Um die Landessprachen zu verstehen, gäbe es für den Notfall die „Synchroniser“, Geräte, die langsam gesprochene Sätze anschließend in die Muttersprache übersetzen und diese wahlweise vertont oder am Display wiedergeben. Für geschriebene Dokumente würde dies der „Synchroscanner“ erledigen. Daniela willigte ein und verbrachte 2 lehrreiche Jahre in den beiden östlichen Nachbarländern. Sie konnte sehr viel von ihrer guten fachlichen Ausbildung profitieren und wurde nach anfänglichem Misstrauen als „Fachfrau“ anerkannt. Nach und nach lernte sie, sich in den Landessprachen verständlich zu machen. Die technischen Sprachassistenten erwiesen sich als nicht immer zuverlässig. Oft war die Verständigung auf Englisch die bessere, schnellere und vor allem persönlichere Variante. Seit 2 Jahren ist sie wieder zurück in Deutschland und bei der Firma Sonntag beschäftigt. Gerade die Auslandserfahrung hat sie zu einer souveränen Führungspersönlichkeit reifen lassen. Besonders bei den Akquisegesprächen findet sie schnellen Zugang zu den Kunden, wenn sie dieses Thema mit einfließen lässt.

Unterscheidbar müssen die Angebote sein
Doch zurück zum Alltagsgeschäft und zum Kundenbesuch, den Daniela und Kevin vor sich haben. Zunächst gibt Daniela einige Vorinformationen zu dem Kunden. Er sei auf Empfehlung zur Firma Sonntag gekommen. Er hat davon gehört, dass die Firma sich deutlich von vielen Mitbewerbern abhebt und keine langweiligen stereotypen Allerwelts-Lösungen anbietet. Vor allem ein hohes Kreativpotential wird den einfühlsamen Mitarbeitern der Firma Sonntag nachgesagt. Man stellt das Lebensgefühl, die Lebensqualität sowie die Erlebnis- und Rückzugswelt, die sich mit den von ihrer Firma gestalteten Gärten geradezu automatisch ergeben, in den Vordergrund. Das Paradies vor der Haustür wird angestrebt. Selbstverständlich tritt man sehr kundenfreundlich auf und schafft individuelle Lösungen. Eine solide Handwerksleistung zu bieten, versteht sich als Selbstverständlichkeit. Die Preise der Gartenanlagen sind angemessen und werden auf den einzelnen Kunden individuell abgestimmt. „Dieser Firmenphilosophie versuchen wir, so gut wie möglich zu entsprechen. Wir wollen die hohen Erwartungen unserer Kunden nicht enttäuschen. Dies ist schließlich ein wichtiges Element des Marketingkonzepts unserer Firma“, betont Daniela. Kunden sollen die Unterschiede zu anderen Firmen der Branche spüren. Sie sollen von den Vorzügen der Firma Sonntagsgärten überzeugt werden. Wenn man sich nicht deutlich von den Wettbewerbern abheben würde, vergäben die Kunden lediglich über den Preis die Aufträge, wendet Daniela ein. Häufig hat man es mit Kunden zu tun, die sich als hoch kompetent, gut vorbereitet und fordernd erweisen. Es handelt sich nicht mehr um Konsumer, sondern um Prosumer. Prosumer zeichnen sich dadurch aus, dass sie es sind, die den Anspruch definieren, den ein Produkt erfüllen muss. Bei dieser Kundengruppe ist außerdem Offenheit, Ehrlichkeit, die Echtheit des Vorgehens und der Leistungen absolute Erfolgsvoraussetzung. Dieser Kundentyp lässt sich keinen „Bären aufbinden“. Solche Versprechungen, die sich später als nicht tragbar erweisen, sind in jedem Fall zu vermeiden. Daniela erinnert an die Zeit um 2006, als die Kunden durch Marketingmaßnahmen so verunsichert wurden, dass lediglich der Preis den Ausschlag gäbe. „Geiz ist geil“ oder so ähnlich hieß ein häufig zu hörender Slogan damals. Das Marketing hatte völlig versagt, da die Unterschiede der Dienstleistungen und Produkte gänzlich aus dem Blickfeld gerieten. Außerdem gab es ein Überangebot der Mittelmäßigkeiten.

Entscheidungshilfen für Kunden
Ein wichtiger Aspekt in der Kundeneinschätzung ist es, die „Simplexity “ zu beherzigen. Simplexity geht davon aus, dass angemessenes, schnelles Handeln in schwierigen komplexen Situationen immer nötiger wird. Auch wenn man Gärten verkauft, steht der Kunde vor einer schwierigen Entscheidung. „In der heutigen Gesellschaft wird man mit Informationen überhäuft. Theoretisch hat man die Möglichkeit, sich sehr umfassend vor einer Kaufentscheidung zu informieren. Tatsächlich kann man nicht alle Quellen anzapfen, um zur Entscheidung zu kommen. Dieses dauert einfach zu lange und man muss andere wichtige Anforderungen vernachlässigen, die das Leben an einen stellt. Für vieles Angenehme ist keine Zeit mehr vorhanden“, analysiert Daniela die Situation, in der viele ihrer Kunden sich befinden. Dieses Problem ergibt sich für die Gartenkunden gleichfalls, wenn sie sich für einen Landschaftsgärtner entscheiden müssen. Wenn sie wollen, könnten sie sich beliebig viele Angebote machen lassen und sie äußerst gewissenhaft auf Herz und Nieren prüfen. Trotz aller Bemühungen bleibt ein Restgefühl von Unsicherheit zurück. Wer etwas verkaufen will, muss versuchen, über Vereinfachung und Verkürzungen den Kunden schneller zu einer Entscheidung zu Gunsten seines Produktes zu leiten. Der Umgang mit der Firma, der Vertrag und das Produkt – der Garten – sollten nicht zu kompliziert erscheinen. „Wir brauchen für uns und für unser Produkt ein simples Interface (Bedienungsoberfläche) – eine hohe Bedienerfreundlichkeit“, bringt Daniela ihre Strategie auf den Punkt. „Eine weitere erfolgreiche Taktik ist selbstverständlich, wenn es gelingt, gute oder sogar sehr gute Arbeit zu einem akzeptablen Preis anzubieten. Diese Synthese ist nur sehr schwierig zu schaffen. Ein Gutes Design und gute Ideen, die dann mit einfachen Mitteln umgesetzt werden, bringen in der Regel Erfolg.“ Mit diesem sicher nicht ganz einfach umzusetzenden Anspruch schließt Daniela ihren Vortrag ab. Sie sind soeben beim Kunden eingetroffen. „Normalerweise höre ich noch ein Konzentrationsmemo, wenn ich zu den Kunden fahre. Es soll mich auf das Gespräch einstimmen. Es werden die wichtigsten Grundsätze der Gesprächsführung, Kunden- und Objektinfos kurz aufgezählt. Meist beschränke ich mich auf die Bereiche, in denen ich noch Schwächen habe“, erklärt Daniela ihr Vorgehen.

Ein Kundogramm entsteht
Der Kunde wohnt in einer Einfamilienhaussiedlung aus dem Jahr 2006. Ein frei stehendes Haus mit einer ca. 500 m² großen Außenflächen. Pflanzen, Funktionsflächen und Gestaltungselemente sind auf den ersten Blick erkennbar lieblos ausgewählt und angeordnet und teilweise in sehr schlechtem Zustand. Daniela spricht mit dem Kunden und versucht möglichst viel über seine Bedürfnisse, seine Wünsche, seine Lebensverhältnisse und seinen Charakter herauszufinden. Einen zeitgemäßen Garten soll entstehen, der zum Haus, zu seinen Vorstellungen und zu seinem Lebensmodell passt. Ein weiterer Wohnraum wäre nicht schlecht – ein Wohnzimmer im Freien, das teilweise überdacht sein soll und zu verschiedenen Beschäftigungen einlädt. Das Ganze eingebettet in abwechslungsreiche Pflanzungen, unterbrochen durch Wasserspiele, so müsste es nach den Wünschen des Kunden aussehen. Alle diese Angaben werden in Danielas „OK“ eingegeben. Bei Bedarf kann ein Programm diese Informationen zu einem Kundogramm bündeln und entsprechend individuelle Vorschläge und Hinweise zur Unterstützung der Kundenberatung zusammenstellen.

Kunde liebt Retro-Effekt der Handzeichnung
Daniela möchte dem Kunden etwas von Ihren Vorstellungen veranschaulichen, dazu holt sie ihre Zeichenmappe heraus und entwickelt mit geschickten Strichen einige Ideenskizzen. Der Kunde ist begeistert von dem zeichnerischen Geschick Danielas. Er hätte nicht erwartet, dass jemand diese Fertigkeiten in der Zeit der Computeranimation noch besitzt. Daniela und Kevin nehmen anschließend die wichtigsten Daten zum Grundstück mit einer Messsonde auf, machen zahlreiche Fotos und lassen sich alte Hausund Grundstückspläne geben. Abschließend verabreden sie sich zu einem weiteren Treffen in 5 Tagen. Daniela möchte einen Entwurfsplan vorlegen. Es wird eine Vereinbarung zu den Planungskosten getroffen. In jedem Fall muss der Kunde für Planungsleistungen bezahlen. Die Honorarhöhe wird vorher festgelegt. Damit geht einher, dass der Kunde umfangreich über die Leistungen aufgeklärt wird, die mit der Planung verbunden sind. Es werden ihm Entwurfspläne aus anderen Projekten vorgelegt, um ihn durch deren Qualität und Klasse die Kosten der Planung schmackhaft zu machen. Es werden ebenfalls digitalisierte Musterpläne gezeigt, die alternativ angefertigt werden können. Der Kunde hat sich in diesem Fall bewusst für die handgefertigten Pläne entschieden und hierfür sogar einen Mehrpreis akzeptiert. Auf der Rückfahrt zum Büro berichtet Daniela, dass ihr dies in letzter Zeit häufig so gehen würde. Der Retro-Effekt des Handgezeichneten kommt bei den Kunden an. Dass sie sich so intensiv dem Freihandzeichnen gewidmet hat, hat sich offensichtlich für sie letztendlich gelohnt. Auch in ihrer Freizeit würde sie viel zeichnen. Zusätzlich sichert ihr diese viele Übung den Erfolg. Werden zusätzlich Pflanzpläne und technische Pläne erforderlich, entstehen sie meist mit Hilfe der CAD. Pflegekonzepte würden mit einer speziellen Software erstellt, die in der Lage ist, Pflanzenlisten oder Pflanzpläne zu lesen und zu interpretieren. Eckdaten des Gartens, des Bodens, der Umgebung, der Kunden und der Pflanzflächen würden eingegeben und ein fertiges Konzept mit Ausschreibung und Wartungsanleitung für die Pflegeteams würden erstellt. Ein Zeitrahmen wird erstellt, der mit dem Kunden noch abgestimmt werden muss. Das der Zeit- und Materialaufwand, der Maschineneinsatz und letztendlich die Angebotspreise mit ausgegeben würden, macht die Sache besonders komfortabel. Dem Kunden werden Unterlagen lediglich zur Ansicht vorgelegt. Ohne Vertragsabschluss werden sie vorher nur bei höchster Auftragswahrscheinlichkeit aus der Hand gegeben.

Schlussbetrachtung
An dieser Stelle kehrt der Autor aus der Zukunft zurück und wendet sich wieder seinen Alltagsgeschäften zu. Den drei Akteuren wünscht er viel Spaß und Erfolg bei ihrer weiteren Arbeit. Vielleicht ergibt sich ja noch ein weiterer Besuch in der Zukunft, bei dem weitere Aspekte des beruflichen Alltags der Garten- und Landschaftsbauer im Mittelpunkt stehen werden. Natürlich sollte jeder die eine oder andere Aussage aus der Geschichte noch durch seinen persönlichen Filter laufen lassen. Eintrittsgarantien sollen und können nicht gegeben werden. Ein wichtiger Aspekt, der in jedem Fall ins Kalkül gezogen werden muss, ist die ökonomische Wirkung:
• Sind die vorgestellten technischen und elektronischen Errungenschaften überhaupt finanzierbar?
• Lohnen sich die Investitionskosten überhaupt für diese Verfahren? Unabhängig davon werden Sie vielleicht inspiriert, sich mehr mit der möglichen Zukunft zu beschäftigen. Vielleicht entwerfen Sie demnächst eigene Zukunftsszenarien und formulieren daraus entsprechende Zielsetzungen. Diese können sehr hilfreich sein, den zukünftigen Weg ihrer Firma oder die Gestaltung ihres Arbeitsplatzes besser zu meistern. Gönnen Sie sich einen Blick in die Zukunft – immer öfter. Lassen Sie sich inspirieren. Lösen Sie sich dazu aus den Zwängen des Tagesgeschehens. Lassen Sie ihren Geist schweifen und die Bedenkenbremsen entspannt. Erfinden Sie Zukunft, um sie vorauszusehen. Gute Ideen bringen gute Stimmung – auch wenn sie sich später nicht realisieren lassen. Denken sie daran, wie viele Sämlinge nötig sind, um eine erfolgreiche neue Pflanze mit neuen hervorragenden Eigenschaften hervorzubringen und wie viele Sämlinge bei der Züchtung auf dem Müll landen. Der Züchter weiß in der Regel im Voraus, wie die neue Pflanzenzüchtung aussehen und welche Eigenschaften sie besitzen soll.

Quellenangaben
• Nicole Khuon, Die Trendforschung als Berufsfeld für Volkskundler, Volkskundlichekulturwissenschaftliche Schriften, Heft 2, 2002:
http://www.kultur.uni-hamburg.de/volkskunde/Texte/Vokus/2002-22/trend.html
• Wie forschen Trendforscher? Michaela Pfadenhauer, Forum Qualitative Sozialforschung, Vol 5, No. 2, Mai 2004 http://www.qualitative-research.net/fqs-texte/2-04/2-04pfadenhauer-d.htm
• Präqualifizierung von Bauunternehmen –
http://www.bmvbw.de/Bauwesen/Bauauftragsvergabe-,1795/Praequalifizierung.htm
• Business Processes: Die Zukunft integrierter Geschäftsprozesse, Neue Landschaft 12/05, Seite 17
• Wikipedia, freie Enzyklopädie: Soziale Kompetenz, Freelancer, Computer Supported Cooperative Work, Delphie-Methode, Szenario-Technik, Matthias Horx, John Sculley, Meta-Innovationen, Fiktion und Utopie, Nanotechnologie
• Burkhard Strassmann, Bratfett in den Tank, Die Zeit Nr. 13, 13.03.06, S.26
• Bio-Sprit: http://www.choren.com/de/
• BIBB – Arbeiten und Lernen im Jahr 2020, www.bibb.de/de/13037.htm
• Bildung Plus, Interview mit Trendforscher Prof. Peter Wippermann über das Arbeiten in der Zukunft durch Udo Löffler – www.forumbildung.de/templates/imfokus- inhalt.php?artid=55
• Deutschland 2020, Wie wir morgen leben, Horst W. Oppaschowski, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2004
• Peter Hanser, Nicht mehr, sondern sinnvoller kaufen (Interview mit Matthias Horx), Absatzwirtschaft – Zeitschrift für Marketing, 2/2006
• Q wie Qualität, bi GaLaBau 12/05
• Bandmaß adé, bi GaLaBau 1 + 2/06
• Der Zukunfts-Manager, Pero Micic, Haufe-Verlag, 2001
• Matthias Horx, Future Fitness, Eichborn 2005
• Kleine Verteidigung der Zukunft, Matthias Horx, Welt 27.12. 05
• Reif für die Zukunft, Matthias Horx, H.O.M.E 1/2006
• http://www.trendbuero.de/2006/trendtag
• Pressemitteilung Fa Hagebau: „GaLaBau-Fachabteilung erweitert 2006 Vertriebskampgne GaLaBau innovativ“,
• http://www.hagebau.de/magazin/artikel.php?artikel=316&type=&menuid=43&topmenu=43
• http://www.zukunftsinstitut.de Trendforschungsbüro
• http://www.gartner.de – Informationen über Entwicklungen in der IT-Branche
• http://www.gartner.de/it-news/060311_or.html -Informationen zur Entwicklung von UMPC – Kleincomputer
Bildnachweis
diverse Hyperlinks im Text

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
Fachbereich Gartenbau
Söbrigener Straße 3a, 01326 Dresden-Pillnitz Internet: http://www.smul.sachsen.de/landwirtschaft/download/Fuehrungskkraft_Galabau_2015.pdf
Bearbeiter: Dipl.-Ing. Klaus Engelhardt E-Mail: klaus.engelhardt@smul.sachsen.de